Centella asiatica: Wirkung auf Gedächtnis, Telomerase und gesundes Altern

Centella Leaf Extract

Wirkung auf Gedächtnis und als Telomerase-Aktivator

Seit mehr als 2.000 Jahren gehört Centella asiatica (Gotu Kola) zu den wichtigsten Heilpflanzen der ayurvedischen und traditionellen chinesischen Medizin. Während sie früher vor allem zur Wundheilung und Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit eingesetzt wurde, untersucht die moderne Forschung heute ihre Wirkung auf Gehirn, Nervenzellen und sogar auf die Telomerase – jenes Enzym, das eine Schlüsselrolle für die Zellalterung spielt.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert.


Centella verbessert Gedächtnis und Lernfähigkeit

Mehrere Tier- und erste Humanstudien zeigen, dass standardisierte Centella-Extrakte verschiedene Bereiche der Kognition unterstützen können.

Untersucht wurden unter anderem:

  • Arbeitsgedächtnis
  • Kurzzeitgedächtnis
  • räumliches Lernen
  • Aufmerksamkeit
  • Informationsverarbeitung

Die Wirkungen beruhen wahrscheinlich auf mehreren biologischen Mechanismen.


1. Förderung der Neuroplastizität

Centella erhöht experimentell die Bildung dendritischer Fortsätze und Synapsen.

Dadurch verbessern sich die Verbindungen zwischen Nervenzellen.

Das Gehirn bleibt lernfähiger.

Gerade im Alter nimmt diese Neuroplastizität kontinuierlich ab.

Centella scheint diesem Prozess teilweise entgegenzuwirken.


2. Förderung von BDNF

Mehrere experimentelle Arbeiten zeigen eine Erhöhung des Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF).

BDNF gilt als einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren des Gehirns.

Er unterstützt

  • Synapsenbildung
  • Lernen
  • Gedächtnis
  • Neurogenese
  • neuronales Überleben

Ein höherer BDNF-Spiegel wird mit besserer Gedächtnisleistung assoziiert.


3. Schutz der Mitochondrien

Nervenzellen besitzen einen enorm hohen Energiebedarf.

Centella verbessert experimentell

  • ATP-Produktion,
  • antioxidative Enzymsysteme,
  • mitochondriale Stabilität,

und vermindert oxidativen Stress.

Dadurch bleiben Nervenzellen widerstandsfähiger.


4. Verbesserung der Hirndurchblutung

Centella wird seit Jahrzehnten bei venösen Durchblutungsstörungen eingesetzt.

Auch die zerebrale Mikrozirkulation scheint günstig beeinflusst zu werden.

Eine bessere Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen unterstützt die Gehirnfunktion.


5. Verminderung neuroinflammatorischer Prozesse

Chronische Mikroentzündungen gelten heute als Mitursache neurodegenerativer Erkrankungen.

Centella reduziert experimentell

  • Mikroglia-Aktivierung,
  • entzündungsfördernde Zytokine,
  • oxidativen Stress.

Dadurch könnte langfristig auch die neuronale Alterung verlangsamt werden.


Centella als Telomerase-Aktivator

Besonders interessant sind neuere Untersuchungen zur Telomerbiologie.

Die Enden unserer Chromosomen bestehen aus sogenannten Telomeren.

Mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich.

Werden sie zu kurz,

tritt die Zelle in Seneszenz oder stirbt ab.


Die Rolle der Telomerase

Die Telomerase verlängert Telomere wieder.

Sie schützt dadurch

  • Stammzellen,
  • Immunzellen,
  • regenerationsfähige Gewebe.

Im Erwachsenenalter ist die Telomeraseaktivität jedoch gering.

Deshalb richtet sich großes Interesse auf natürliche Substanzen, welche die Telomerase regulieren können.


DLBS1649 – ein standardisierter Centella-Extrakt

Besonders intensiv untersucht wurde der standardisierte Centella-Extrakt DLBS1649.

In Zellkultur konnte gezeigt werden,

dass dieser Extrakt

  • die Expression des hTERT-Gens
  • und damit die Telomeraseaktivität

deutlich erhöht.

In den publizierten Untersuchungen wurde eine bis zu 8,8-fache Steigerung der hTERT-Expression beschrieben.

Diese Beobachtung machte DLBS1649 weltweit zu einem der interessantesten pflanzlichen Kandidaten der Telomerforschung.


Warum ist das wichtig?

Telomerase wirkt nicht nur auf die Länge der Telomere.

Neuere Untersuchungen zeigen weitere Funktionen:

  • Schutz der Mitochondrien
  • Verringerung oxidativen Stresses
  • Verbesserung der Zellregeneration
  • Förderung der Stammzellfunktion
  • Unterstützung der Gewebeheilung

Damit verbindet sich die Telomerbiologie direkt mit der modernen Longevity-Forschung.


Epigenetik verbindet beide Wirkungen

Bemerkenswert ist,

dass sowohl Gedächtnisverbesserung als auch Telomeraseaktivierung wahrscheinlich über epigenetische Mechanismen vermittelt werden.

Centella beeinflusst unter anderem

  • Histonacetylierung
  • Transkriptionsfaktoren
  • antioxidative Signalwege
  • Wachstumsfaktoren
  • Genexpression

Es verändert somit nicht die DNA,

sondern deren Aktivität.


Grenzen der heutigen Evidenz

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse bleibt wissenschaftliche Vorsicht notwendig.

Für die Verbesserung kognitiver Funktionen existieren mehrere Humanstudien mit positiven Hinweisen, allerdings oft mit begrenzter Teilnehmerzahl und unterschiedlicher Qualität.

Die Daten zur Telomeraseaktivierung stammen dagegen überwiegend aus Zellkultur- und präklinischen Untersuchungen. Ob sich eine erhöhte hTERT-Expression in Zellmodellen in gleicher Weise auf den menschlichen Organismus übertragen lässt, ist bislang nicht belegt. Große randomisierte klinische Studien fehlen noch.


Fazit

Centella asiatica gehört zu den spannendsten Heilpflanzen der modernen Longevity-Forschung.

Sie verbindet mehrere biologische Wirkungen:

  • Verbesserung der Neuroplastizität
  • Unterstützung von Lernen und Gedächtnis
  • Schutz der Mitochondrien
  • Verminderung neuroinflammatorischer Prozesse
  • Verbesserung der Mikrozirkulation
  • mögliche Aktivierung der Telomerase
  • epigenetische Regulation regenerativer Signalwege

Gerade diese Kombination macht Centella zu einem interessanten Bestandteil eines pro-regenerativen Milieus. Während Spermidin vor allem die Autophagie fördert und SAM-e die Methylierungsprozesse unterstützt, könnte Centella die neuronale Regeneration und die zelluläre Erneuerungsfähigkeit ergänzen. Die derzeitige Evidenz rechtfertigt wissenschaftliches Interesse, nicht jedoch überzogene Heilsversprechen. Die eigentliche Stärke der Pflanze liegt wahrscheinlich nicht in einer einzelnen spektakulären Wirkung, sondern in ihrer Fähigkeit, mehrere zelluläre Regulationssysteme gleichzeitig günstig zu beeinflussen.

 

Literatur

Centella asiatica – Pharmakologie und klinische Anwendung

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

World Health Organization. (1999). WHO monographs on selected medicinal plants (Vol. 1). Geneva, Switzerland: World Health Organization.

Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects

Brinkhaus, B., Lindner, M., Schuppan, D., & Hahn, E. G. (2011). Herbal medicine: Biomolecular and clinical aspects (2nd ed.). Boca Raton, FL: CRC Press.


Gedächtnis, Neuroprotektion und BDNF

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Orhan, I. E. (2012). Centella asiatica (L.) Urban: From traditional medicine to modern medicine with neuroprotective potential. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2012, Article 946259.

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Mitochondrien und Neuroinflammation

Gray, N. E., et al. (2016). Centella asiatica attenuates oxidative stress and improves mitochondrial function in experimental models of aging. Journal of Ethnopharmacology.

James, J. T., & Dubery, I. A. (2009). Pentacyclic triterpenoids from Centella asiatica and their biological activities. Molecules, 14(10), 3922–3941.


Telomerase und DLBS1649

Tjandrawinata, R. R., et al. (2013). DLBS1649, a bioactive fraction of Centella asiatica, increases hTERT gene expression and telomerase activity in human cells. Indonesian Biomedical Journal.

Tjandrawinata, R. R., et al. (2014). Centella asiatica extract DLBS1649 as a potential telomerase activator: Molecular mechanisms and biological effects. Indonesian Biomedical Journal.


Telomerbiologie

The Telomerase Revolution

Fossel, M. (2015). The telomerase revolution. Dallas, TX: BenBella Books.

Elizabeth Blackburn, Elissa Epel

Blackburn, E. H., & Epel, E. (2017). The telomere effect: A revolutionary approach to living younger, healthier, longer. New York, NY: Grand Central Publishing.


Epigenetik

The Epigenetics Revolution

Carey, N. (2012). The epigenetics revolution. London, UK: Icon Books.

Allis, C. D., Caparros, M.-L., Jenuwein, T., Reinberg, D., & Lachner, M. (Eds.). (2015). Epigenetics (2nd ed.). Cold Spring Harbor, NY: Cold Spring Harbor Laboratory Press.


Ihr

Eduard Rappold

Note: This information is provided for educational purposes only and does not replace professional medical advice. Always consult qualified healthcare professionals for medical concerns.

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Eduard Rappold ist Autor, Unternehmer und als Arzt wissenschaftlicher Vermittler im Bereich Epigenetik und Präventionsmedizin. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie Umwelt, Verhalten und biografische Erfahrungen die Regulation unserer Gene beeinflussen – und welche Konsequenzen sich daraus für Gesundheit, Alterungsprozesse und chronische Erkrankungen ergeben. Sein Ansatz verbindet: aktuelle Erkenntnisse der Epigenetik neurobiologische Stressforschung mitochondriale und metabolische Regulation präventive und lebensstilbasierte Medizin Als Betreiber der Plattform epigenetik.at macht er komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge für ein breites Publikum zugänglich. Dabei liegt der Fokus auf einer klaren, verständlichen Darstellung ohne Vereinfachung der Inhalte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Rolle von chronischem Stress als zentralem biologischen Faktor für Dysregulation, beschleunigtes Altern und Krankheitsentstehung. Eduard Rappold ist zudem Co-Autor einer wissenschaftlichen Studie zur Rolle von Antioxidantien und genetischen Faktoren bei neurodegenerativen Erkrankungen, insbesondere Alzheimer.