Pragmatischer Idealismus der Metamodernen

Der Begriff Metamoderne wurde erstmals 1975 von Mas’ud Zavarzadeh verwendet, um bestimmte literarische Techniken in der amerikanischen Literatur seit Mitte der 1950er Jahre zu beschreiben. In den folgenden Jahrzehnten tauchte der Begriff in verschiedenen Kontexten auf, beispielsweise 1999 bei Moyo Okediji in Bezug auf zeitgenössische afroamerikanische Kunst und 2002 bei Andre Furlani zur Beschreibung einer Ästhetik, die nach und mittels des Modernismus entsteht.Wikipedia

Einen bedeutenden Beitrag zur Etablierung des Begriffs leisteten 2010 die Kulturwissenschaftler Timotheus Vermeulen und Robin van den Akker mit ihrem Aufsatz „Notes on Metamodernism“. Sie beschrieben die Metamoderne als eine Sensibilität, die zwischen Moderne und Postmoderne oszilliert, charakterisiert durch eine informierte Naivität und einen pragmatischen Idealismus.Wikipedia

Es gibt bildende Künstler, deren Werke Elemente der Metamoderne widerspiegeln. Ein prominentes Beispiel ist der russische Künstler Wiktor Wiktorowitsch Bregeda, der als Vertreter des Surrealismus und Metarealismus gilt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine Kombination verschiedener Techniken, Motive und Stile aus und sind von einer Philosophie des Überbewussten (Die „Philosophie des Überbewussten“ umfasst  Konzepte, die das Streben des Menschen nach höheren Erkenntnissen, Selbstverwirklichung und Einheit mit dem Universum thematisieren) beeinflusst.Wikipedia

Ein weiteres Beispiel – „Ausrangiertes Mobiltelefon in einer Stück Seife“, Quelle: Harry Nuriev, 2024, siehe Beitragsbild -, ist der Designer Harry Nuriev, der alltägliche Gegenstände kreativ wiederverwendet und so neue Bedeutungen schafft. Seine Arbeiten, wie beispielsweise ein Sofa aus recycelten Kleidungsstücken für Balenciaga, spielen mit Ironie und hinterfragen unser Verhältnis zur modernen Konsumwelt.Welt

Diese Künstler integrieren in ihren Werken Aspekte der Metamoderne, indem sie traditionelle und moderne Elemente kombinieren, Ironie und Aufrichtigkeit verbinden und die Komplexität der zeitgenössischen Welt reflektieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Metamoderne als Konzept seit den 1970er Jahren existiert, jedoch erst ab 2010 durch die Arbeiten von Vermeulen und van den Akker größere Aufmerksamkeit in den Kultur- und Sozialwissenschaften erhielt.

Pragmatischer Idealismus

Jede Entscheidung die man trifft beruht auf eigene Werte und Ziele. Man kann viele verschiedene Ziele und Werte haben. Ruhm, Profit, Liebe, Überleben, Spaß und Freiheit sind nur einige der Ziele, die eine gesittete Person haben könnte. Ist das Ziel eine Frage des Prinzips, sprechen wir von Idealismus.

Der Begriff des pragmatischen Idealismus innerhalb der Metamoderne beschreibt die dynamische Beziehung zwischen realen Gegebenheiten und idealistischen Bestrebungen. Diese Denkweise erkennt die Herausforderungen und Begrenzungen der Realität an, strebt jedoch gleichzeitig nach höheren Idealen und Werten.

Verbindung von Realem und Idealem:

  • Oszillation: Anstatt sich ausschließlich auf die harte Realität oder auf utopische Ideale zu konzentrieren, bewegt sich der pragmatische Idealismus zwischen diesen Polen. Dieses ständige Hin und Her ermöglicht es, die Realität zu akzeptieren und dennoch kontinuierlich nach Verbesserung zu streben.

  • Informierte Naivität: Trotz des Wissens um die Komplexität und die oft widersprüchliche Natur der Welt bewahrt der pragmatische Idealismus eine gewisse Naivität oder Unschuld. Diese Haltung fördert den Glauben an positive Veränderungen, selbst wenn die Umstände entmutigend erscheinen.

  • Pragmatischer Ansatz: Ideale werden nicht nur als abstrakte Konzepte betrachtet, sondern als Ziele, die durch praktische und umsetzbare Schritte erreicht werden können. Dieser Ansatz betont die Bedeutung von Handlungen, die sowohl realistisch als auch idealistisch motiviert sind.

In der Metamoderne wird somit eine Balance zwischen dem Akzeptieren der Realität und dem Streben nach höheren Zielen angestrebt, wobei beide Aspekte als notwendig und sich gegenseitig ergänzend betrachtet werden.

In der Metamoderne werden höhere Ideale und Werte angestrebt, die eine Synthese aus den Prinzipien der Moderne und der Postmoderne darstellen. Diese Werte spiegeln das Bestreben wider, zwischen Rationalität und Emotionalität, Individualität und Gemeinschaft sowie Tradition und Innovation zu balancieren.

Zu den zentralen Werten der Metamoderne zählen:​

  1. Engagement und Aufrichtigkeit: Im Gegensatz zur oft distanzierten Ironie der Postmoderne betont die Metamoderne ein aufrichtiges Engagement für soziale und persönliche Anliegen. Dieses Engagement wird jedoch mit einem Bewusstsein für die Komplexität und Widersprüchlichkeit der Welt verbunden, was zu einer „informierten Naivität“ führt.

  2. Oszillation zwischen Gegensätzen: Die Metamoderne fördert die Fähigkeit, zwischen scheinbar widersprüchlichen Polen wie Hoffnung und Melancholie, Naivität und Wissen oder Einheit und Pluralität zu pendeln. Dieses Oszillieren ermöglicht es, verschiedene Perspektiven einzunehmen und eine dynamische Balance zu finden.Wikipedia

  3. Neoromantische Sensibilität: Es wird eine Wiederbelebung romantischer Züge angestrebt, die das Alltägliche mit Sinn und Tiefe verbinden. Dies umfasst die Wertschätzung des Mysteriums im Gewöhnlichen und die Suche nach dem Außergewöhnlichen im Vertrauten.Wikipedia

  4. Ko-Kreativität und neue Gemeinschaftlichkeit: Die Metamoderne betont die Bedeutung von ko-kreativen Prozessen und einer bewussten Gemeinschaftlichkeit. Dabei wird die Freiheit des Individuums respektiert, während gleichzeitig neue Formen der Verbundenheit und Zusammenarbeit entwickelt werden.Wikipedia

  5. Transdisziplinarität und integrales Denken: Es wird ein integraler Ansatz verfolgt, der verschiedene Wissensgebiete und Perspektiven miteinander verbindet, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen ganzheitlich zu adressieren.Wikipedia

Diese Werte der Metamoderne reflektieren ein Bewusstsein für die Notwendigkeit, traditionelle Dichotomien zu überwinden und einen flexiblen, integrativen Ansatz zu fördern, der sowohl individuelle als auch kollektive Entwicklung ermöglicht.

Ihr

Eduard Rappold

Dr. Eduard Rappold, MSc ist ein erfahrener Forscher und Arzt, der sich seit Jahrzehnten für geriatrische PatientInnen einsetzt. In seinem Bemühen für Alzheimer-Erkrankte eine immer bessere Versorgung zu ermöglichen, wurde er 2003 mit dem Gesundheitspreis der Stadt Wien für das Ernährungszustandsmonitoring von Alzheimer-Kranken ausgezeichnet. Im Zuge seines Masterstudiums der Geriatrie hat er seine Entwicklung des Epigenetic Brain Protector wissenschaftlich fundiert und empirisch überprüft. Im September 2015 gründete er NUGENIS, ein Unternehmen, mit dem er Wissenschaft und Anwendung zusammenbringen möchte. Damit können Menschen unmittelbar von den Ergebnissen der Angewandten Epigenetik für ihre Gesundheit profitieren. Mit dem Epigenetic Brain Protector hat Dr. Eduard Rappold, MSc bereits für internationales Aufsehen gesorgt – auf der international wichtigsten Innovationsmesse, der iENA, wurde er 2015 mit einer Goldmedaille für hervorragende Leistungen zum Schutz vor Neurodegeneration ausgezeichnet. Auf den Webseiten nugenis.eu, epigenetik.at, spermidine-soyup.com und facebook.com/nugenis können Themen zur Epigenetik und Aktuelles nachgelesen werden.