EpiAge-Test: Epigenetisches Alter durch DNA-Methylierung bestimmen

Wie alt sind unsere Zellen?

Unser chronologisches Alter ist eindeutig: Es entspricht der Zeit seit unserer Geburt. Doch Menschen gleichen Alters unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Stoffwechsel, körperlicher Leistungsfähigkeit und altersassoziierter biologischer Veränderungen.

Eine Möglichkeit, solche Unterschiede wissenschaftlich zu untersuchen, bietet die Epigenetik.

Mit zunehmendem Alter verändern sich charakteristische Methylierungsmuster unserer DNA. Einige dieser Veränderungen verlaufen so regelmäßig, dass sie als Biomarker zur Berechnung eines epigenetischen Alters verwendet werden können.

Darauf beruht der EpiAge-Test.

Was ist das epigenetische Alter?

DNA-Methylierung gehört zu den wichtigsten epigenetischen Regulationsmechanismen. Dabei werden Methylgruppen an bestimmte Positionen der DNA gebunden, ohne die genetische Sequenz selbst zu verändern.

An zahlreichen sogenannten CpG-Stellen verändert sich die DNA-Methylierung charakteristisch mit dem Lebensalter.

Aus solchen altersabhängigen Mustern entstanden die sogenannten epigenetischen Uhren.

Grundlegende Arbeiten von Hannum und Horvath zeigten 2013, dass sich das Alter eines Menschen anhand definierter DNA-Methylierungsmuster erstaunlich gut abschätzen lässt. Später wurden weitere Modelle wie PhenoAge, GrimAge und DunedinPACE entwickelt, die unterschiedliche Aspekte biologischer Alterungsprozesse erfassen.

Wichtig ist deshalb die Unterscheidung:

Chronologisches Alter = Lebenszeit seit der Geburt.

Epigenetisches Alter = aus bestimmten DNA-Methylierungsmustern berechneter Biomarker.

Wie funktioniert der EpiAge-Test?

Der EpiAge-Test untersucht eine Speichelprobe.

Nach Angaben des Anbieters konzentriert sich das Verfahren auf 13 CpG-Stellen, deren Methylierung stark mit dem chronologischen Alter korreliert. Die Analyse erfolgt mittels Next Generation Sequencing (NGS) und wird dreifach durchgeführt. epiAge

Ein besonders wichtiger Altersmarker ist dabei die Methylierung im Bereich des ELOVL2-Gens.

Die Bedeutung von ELOVL2 als epigenetischem Altersmarker ist inzwischen umfangreich untersucht. Eine neuere wissenschaftliche Arbeit zum EpiAge-Verfahren zeigte, dass bereits ausgewählte CpG-Stellen dieser Genregion eine ausgeprägte Altersabhängigkeit besitzen. Das dort entwickelte EpiAgePublic-Modell wurde anhand von Daten von mehr als 4.600 Menschen untersucht. PubMed Central (PMC)

Was bedeutet das Ergebnis?

Das Ergebnis gibt einen epigenetischen Alterswert an.

Liegt dieser beispielsweise unter dem chronologischen Alter, bedeutet dies, dass das untersuchte DNA-Methylierungsmuster nach dem verwendeten Berechnungsmodell einem jüngeren durchschnittlichen Altersmuster entspricht.

Liegt der Wert darüber, entspricht das Methylierungsmuster einem höheren errechneten epigenetischen Alter.

Das sollte jedoch nicht mit der Aussage verwechselt werden:

„Ich bin tatsächlich fünf Jahre jünger oder älter.“

Ein epigenetischer Alterstest misst einen Biomarker des Alterns, nicht das gesamte biologische Alter eines Menschen.

Warum altern Menschen unterschiedlich?

Altern ist kein einzelner molekularer Vorgang.

Es betrifft zahlreiche miteinander verbundene Systeme:

Epigenom · Stoffwechsel · Mitochondrien · Redoxregulation · Immunsystem · Entzündungsregulation · Stressachsen · Proteostase

Genetische Voraussetzungen, Umweltbedingungen und Lebensstil wirken dabei zusammen.

Epigenetische Altersmarker sind deshalb wissenschaftlich interessant, weil sie eine messbare Verbindung zwischen Alter und molekularer Regulation herstellen.

Sie erklären jedoch nicht allein, warum ein Mensch gesund bleibt oder erkrankt.

Kann man sein epigenetisches Alter beeinflussen?

DNA-Methylierung ist grundsätzlich dynamischer als die DNA-Sequenz selbst.

Rauchen, Ernährung, körperliche Aktivität, Stoffwechsel, Umweltbelastungen und psychosoziale Faktoren werden hinsichtlich ihrer Beziehungen zu epigenetischen Alterungsmarkern intensiv untersucht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine einzelne Intervention das biologische Alter gezielt „zurückdrehen“ kann.

Ebenso wenig lässt sich aus einem EpiAge-Ergebnis ableiten, dass ein höherer Wert durch einen allgemeinen Mangel an DNA-Methylierung verursacht wurde.

Epigenetisches Altern bedeutet nicht einfach „zu wenig Methylierung“.

Altern geht mit komplexen, positionsabhängigen Veränderungen der DNA-Methylierung einher: Manche CpG-Stellen verlieren Methylierung, andere gewinnen sie.

Diese Differenzierung ist für das Verständnis epigenetischer Uhren entscheidend.

Und welche Rolle spielt SAM-e?

S-Adenosylmethionin (SAM) ist der zentrale physiologische Methylgruppendonor für DNA- und Histonmethyltransferasen und damit unmittelbar an epigenetischen Methylierungsreaktionen beteiligt.

Daraus folgt jedoch nicht, dass ein erhöhtes EpiAge-Ergebnis einen SAM-Mangel nachweist oder dass eine SAM-e-Supplementierung den EpiAge-Wert zwangsläufig senkt.

Das sind zwei unterschiedliche Ebenen:

SAM-e beschreibt einen fundamentalen Mechanismus des Methylierungsstoffwechsels.

EpiAge misst ausgewählte altersassoziierte DNA-Methylierungsmuster.

Diese Unterscheidung sollte gegenüber der ursprünglichen Fassung des Beitrags ausdrücklich hervorgehoben werden.

EpiAge als Verlaufsmessung

Interessant kann der Test auch als Verlaufsparameter sein.

Werden Messungen unter vergleichbaren Bedingungen wiederholt, können Veränderungen des epigenetischen Alters über längere Zeit beobachtet werden.

Dabei müssen jedoch biologische und analytische Schwankungen berücksichtigt werden. Eine kleine Differenz zwischen zwei Messungen ist nicht automatisch der Beweis für eine tatsächliche biologische Verjüngung oder Beschleunigung des Alterns.

Gerade deshalb ist die Betrachtung eines längerfristigen Verlaufs wissenschaftlich sinnvoller als die Überinterpretation eines einzelnen Messwertes.

Was EpiAge nicht ist

Der EpiAge-Test ist keine medizinische Diagnose.

Er diagnostiziert weder Alzheimer noch Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere altersassoziierte Erkrankungen. Er bestimmt auch nicht die individuelle Lebenserwartung.

Die aktuelle NUGENIS-Produktinformation weist ausdrücklich darauf hin, dass der Test nicht als ärztliche Untersuchung, Diagnose, Behandlung, Prävention oder Krankheitsrisikobewertung zu verstehen ist. NUGENIS

Wissenschaftliche Einordnung

Epigenetische Uhren gehören heute zu den interessantesten Biomarkern der Alternsforschung. Ihre wissenschaftliche Bedeutung liegt darin, altersabhängige molekulare Veränderungen quantifizierbar zu machen.

EpiAge sollte deshalb weder als „Blick in die Zukunft“ noch als vollständiges Maß menschlicher Gesundheit verstanden werden.

Sein Wert liegt in einer präziseren Frage:

Welchem Alter entspricht das untersuchte DNA-Methylierungsmuster?

Genau darin liegt die Stärke des Tests.

Literatur

Horvath, S. (2013). DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biology, 14, R115.

Hannum, G., et al. (2013). Genome-wide methylation profiles reveal quantitative views of human aging rates. Molecular Cell, 49(2), 359–367.

Levine, M. E., et al. (2018). An epigenetic biomarker of aging for lifespan and healthspan. Aging, 10(4), 573–591.

Lu, A. T., et al. (2019). DNA methylation GrimAge strongly predicts lifespan and healthspan. Aging, 11(2), 303–327.

Belsky, D. W., et al. (2022). DunedinPACE, a DNA methylation biomarker of the pace of aging. eLife, 11, e73420.

Eine neuere Publikation zum EpiAge/ELOVL2-Verfahren beschreibt darüber hinaus die Entwicklung eines NGS-basierten EpiAgePublic-Modells und bestätigt die besondere Altersabhängigkeit ausgewählter CpG-Stellen im ELOVL2-Bereich. PubMed Central (PMC)

EpiAge-Test

Epigenetisches Altern sichtbar machen – ohne es auf eine einzige biologische Ursache zu reduzieren.

Der Test kann bequem mittels Speichelprobe durchgeführt werden. Weitere Informationen zum konkreten Testverfahren, zur Anwendung und zu den rechtlichen Hinweisen finden sich auf der aktuellen Produktseite. NUGENIS

EpiAge-Test bei NUGENIS

Ihr

Eduard Rappold

Note: This information is provided for educational purposes only and does not replace professional medical advice. Always consult qualified healthcare professionals for medical concerns.

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Eduard Rappold ist Autor, Unternehmer und als Arzt wissenschaftlicher Vermittler im Bereich Epigenetik und Präventionsmedizin. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie Umwelt, Verhalten und biografische Erfahrungen die Regulation unserer Gene beeinflussen – und welche Konsequenzen sich daraus für Gesundheit, Alterungsprozesse und chronische Erkrankungen ergeben. Sein Ansatz verbindet: aktuelle Erkenntnisse der Epigenetik neurobiologische Stressforschung mitochondriale und metabolische Regulation präventive und lebensstilbasierte Medizin Als Betreiber der Plattform epigenetik.at macht er komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge für ein breites Publikum zugänglich. Dabei liegt der Fokus auf einer klaren, verständlichen Darstellung ohne Vereinfachung der Inhalte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Rolle von chronischem Stress als zentralem biologischen Faktor für Dysregulation, beschleunigtes Altern und Krankheitsentstehung. Eduard Rappold ist zudem Co-Autor einer wissenschaftlichen Studie zur Rolle von Antioxidantien und genetischen Faktoren bei neurodegenerativen Erkrankungen, insbesondere Alzheimer.